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Rückblick auf das Bayerische Frauenseminar „Interkulturelles Zusammenleben“

Ein Bericht von Franziska Weigand:

 

42 Frauen aus ganz Bayern folgten der Einladung des Frauenreferates ins AURA – HOTEL im März 2017. Frau Giegerich eröffnete die Veranstaltung mit einer Vorstellungsrunde. Hier sagten viele Frauen, dass sie sich auf das Programm freuen und immer wieder gern ins AURA -HOTEL kommen, weil das für sie ein Stück Heimat und zugleich Urlaub von der Behinderung ist. Für die Frauen, die zum ersten mal da waren, bot Frau Ramsbeck spontan eine Hausführung an.

 

Spannende Einblicke in den Islam

Noch am Freitag, gleich im Anschluss an die Vorstellungsrunde, fuhren wir mit dem Bus in die Moschee in Penzberg. Mir war die Moschee schon aus den Medien als sehr liberal bekannt, und so war ich sehr gespannt. Die Gästebetreuung hatte genug Begleitpersonen organisiert, so dass wir uns alle entspannt auf das Programm konzentrieren konnten.

In der Moschee wurden wir zunächst von der islamischen Religionspädagogin, Frau Yerli, begrüßt. Wir mussten unsere Schuhe ausziehen und durften dann den hellen, freundlich gestalteten Gebetsraum betreten. Frau Yerli gab uns viele Informationen zu ihrer Religion. Besonders leidenschaftlich versuchte sie uns klar zu machen, dass das, was wir als negative Seiten des Islam kennen, häufig ein Ergebnis von Armut und mangelnder Bildung in den betroffenen Ländern ist. Sie nannte erschreckende Analphabetenquoten in vielen nordafrikanischen Ländern. Da die meisten Gläubigen den Koran bestenfalls im altarabischen Original richtig vorlesen aber nicht verstehen können, kann man ihnen viel über dessen Inhalt erzählen. Einige ältere Seminarteilnehmerinnen fühlten sich in die Zeit zurück versetzt, als sie noch in der lateinischen Messe saßen und absolut nichts verstanden. Es kamen viele Fragen auf, die von Frau Yerli mit großer Offenheit beantwortet wurden. Beeindruckend war der Gebetsruf, den der Muezzin, Herr Idris, vor uns anstimmte.

Zum Schluss wurden wir noch zu einem Tee eingeladen. Wir hätten gern noch weiter gefragt und diskutiert, aber im Hotel wartete bereits das Abendessen. Frau Giegerich hat das Buch “Grüß Gott, Herr Imam“ gekauft und versprochen, es im BIT auf sprechen zu lassen. Ich freue mich schon darauf, es lesen zu können!!!

Nach einem leckeren Abendbuffet gingen wir zum gemütlichen Teil über. Ich war allein angereist. Aber wie ich es so im BBSB kenne, war das kein Problem. Ich hatte einen lustigen Abend mit vielen netten Gesprächen.

 

Spannende Vorträge von blinden Frauen aus verschiedenen Kulturen

Der nächste Tag war geprägt von vier Vorträgen von blinden Frauen aus vier Ländern: Frau Watanabe aus Japan, Frau Batzoni aus Rumänien, Frau Isak aus Eritrea und Frau Kortam aus Israel/Palästina berichteten aus ihrem Leben und aus ihren Ländern.

Die einzige, die aus einem erfreulichen Grund nach Deutschland gekommen ist, ist Frau Watanabe. Die Liebe verschlug sie nach Augsburg, wo sie heute lebt und arbeitet. Sie hielt uns einen sehr informativen Vortrag über das Blindenwesen und die Stellung der Frauen in Geschichte und Gegenwart von Japan. Sie hatte ein paar sehr überraschende Musikbeispiele dabei und schenkte am Schluss jeder Teilnehmerin ein entzückendes, in Origami -Technik gefaltetes Osterhäschen.

Frau Batzoni erzählte sehr anschaulich und lebendig von ihrem Leben als blindes rumäniendeutsches Kind im multikulturellen Zusammenleben zwischen Siebenbürgener Schwaben, Rumänen und Sinti und Roma. Als sie dann Ende der 80iger Jahre nach Deutschland kam, fand sie dank ihrer beiden Ausbildungen bald Arbeit. Mit der deutschen Sprache musste sie aber zunächst kämpfen. Als blindes Kind hatte sie nämlich nicht die Möglichkeit gehabt, eine deutsche Schule zu besuchen. Sie lernte in einer rumänischen Schule für blinde Mädchen, die 700 km von ihrem Heimatort entfernt war. Zur gegenwärtigen Situation blinder und sehbehinderter Menschen in Rumänien sagte sie, dass sich deren Situation durch den Zusammenbruch sämtlicher staatlicher Strukturen leider sehr verschlechtert hat.

Es gab wohl niemanden, der nach dem Vortrag von Frau Isak aus Eritrea nicht tief ergriffen war. Spätestens, als sie uns erzählte, dass man ihr eines Tages, als sie gerade von der Schule heimkam, eröffnete, dass es jetzt vorbei sei für sie mit Schule und Ausbildung, weil sie ungefragt einen Mann heiraten sollte, hätte man eine Stecknadel im Raum fallen hören können. Sie bekam früh ihre beiden Töchter. Als junge Frau erblindete sie innerhalb weniger Tage. Wie sie es unter diesen Umständen schaffte, nach Deutschland zu fliehen, zu akzeptieren, dass man ihr auch hier medizinisch nicht helfen kann, eine Ausbildung zur Telefonistin zu machen, die Sehnsucht zu ihren Töchtern auszuhalten, diese dann sogar noch nachzuholen und sogar noch Arbeit zu finden hat uns alle tief beeindruckt. Immer wieder drückte sie ihre tiefe Dankbarkeit für die Hilfe, die sie auf ihrem Weg bekommen hat, aus.

Frau Kortam begann ihren Vortrag auf sehr angenehme Weise: Sie brachte uns türkischen Honig mit. Sie ist als Palästinenserin mit israelischer Staatsangehörigkeit aufgewachsen. Das israelische Sozialsystem ist das viertbeste der Welt, und die wenigen Palästinenser, die die israelische Staatsangehörigkeit besitzen, sind voll anspruchsberechtigt. Die Herausforderung für ihre Eltern war es nun, ihre Ansprüche zu kennen und in einer Sprache, die nicht die ihre war, nämlich in Hebräisch, durchzusetzen. Frau Kortam deutete an, dass es wohl politische Umstände waren, die sie dazu bewogen haben, in Deutschland zu leben.

Tief beeindruckt von der Kraft, dem Mut und der Offenheit der vier Frauen gingen wir zum Abendessen.

 

Bayerische Kultur und Märschen aus aller Welt

Interkulturelles Zusammenleben, das schließt ja auch unsere Bayerische Kultur ein. Renate Thanner sorgte mit lustigen G‘stanzeln dafür, dass das nicht zu kurz kommt und unsere Lachmuskeln nicht verkümmern.

Am nächsten Morgen verzauberte uns die Märchenerzählerin Frau Schumacher mit Märchen aus aller Welt. Wobei sie sich die Mühe gemacht hatte, aus jedem vorgestellten Land ein Märchen zu finden.

 

Rundum gelungenes Seminar

In der Abschlussrunde gab es viel Lob für Frau Giegerich und das Frauenreferat für diese rundum gelungene, gut organisierte Bildungsveranstaltung.

Es wurde von den Teilnehmerinnen der Wunsch geäußert, derartige Bildungsveranstaltungen im Wechsel mit mehr Freizeit- und Wellness orientierten Seminaren anzubieten.